Was ist eigentlich Lauenburger
Ton?
Am Anfang war das Meer.
17 bis 7 Millionen Jahre vor unserer Zeit hinterließ die
Urnordsee in Norddeutschland einen Meeresschlamm, der nach dem Rückzug des
Meeres zum dunklen Glimmerton wurde.
Vor etwas mehr als 2
Millionen Jahren brach das Eiszeitalter an. Der erste große Gletschervorstoß
führte über die alten Meeresablagerungen hinweg, stauchte den miozänen
Glimmerton und scherte ganze Schollen ab. Durch den hohen Glimmerton-Anteil erhielt die Grundmoräne des elsterzeitlichen
Eisvorstoßes eine dunkelgraue Färbung. Als der Eispanzer dann in verblüffend
kurzer Zeit abtaute, wurden gewaltige Wassermassen freigesetzt. Das reißende
Schmelzwasser zerstörte die Grundmoräne, vermischte die unterschiedlichen
Bestandteile und sammelte sich in einem gigantischen Eisstausee, der bis in den
nordwestlichen Teil des heutigen Kreisgebietes hineinreichte. Als das trübe
Schmelzwasser im Eisstausee langsam zur Ruhe kam, sanken zunächst die Grobsande
zu Boden, gefolgt von Mittel- und Feinsanden. Schließlich wurden Schluffe
abgelagert und zuletzt rieselten feinste Schwebteilchen zu Boden, wo sie sich
zu großer Mächtigkeit anreicherten. Aus diesem Schlick im Eisstausee wurde nach
der Diagenese (Umwandlung) der Lauenburger Ton. Er stellt somit eine
hervorragend aufbereitete Mischung aus Glimmerton und eiszeitlich entstandenen
Schluff- und Tonanteilen dar. Hauptbestandteile sind Quarz und Illit-Muskovit
(Verwitterungsprodukt von Glimmer) sowie Karbonate in unterschiedlichen Mengen.
Daneben kommen oft Kaolin- und Eisenverbindungen vor. Doch gerade diese
Eisenverbindungen sind der Grund dafür, daß die gebrannten Ziegelsteine jene so
wunderschöne rote Farbe aufweisen. Der Ton in seiner feinsten Ausbildung ist
für die Ziegelherstellung wenig tauglich. Schrumpfung und Rißbildung beim
Trocknen der Rohlinge würden dem Ziegler große Verluste bereiten. Aus diesem
Grunde hatte man schon sehr früh tonige Vorkommen mit mehr sandigen Partien des
Lauenburger Tones vermischt. Durch den später erfolgten Einsatz eines
Eimerkettenbaggers vollzog sich der Mischvorgang automatisch beim senkrechten
Tonabbau.
Neuere Forschungen haben
gezeigt, daß sich die Vorkommen des Lauenburger Tons unter der südlichen
Nordsee nach Norden bis zur Doggerbank fortsetzen. Pflanzenreste aus dem
Lauenburger Ton belegen eine Entstehung des Tones unter arktischen
Verhältnissen. Damit ist auch der Beweis erbracht worden, daß der Lauenburger
Ton während der späten Elster-Eiszeit entstanden war und nicht als eine Bildung
der nachfolgenden Holstein-Warmzeit zu betrachten ist. Abschließend bleibt noch
eine Frage offen. Warum wird dieser Ziegelrohstoff Lauenburger Ton genannt? Die
Frage läßt sich leicht beantworten. Im Raum Lauenburg wurde der Ton zuerst
wahrgenommen und für die Ziegelherstellung genutzt.